Rückblicke auf meine Familie und Kindheit in Oldendorf

Ich wurde *1935 in Oldendorf geboren. Ein Teil meiner Ahnen gehören zu der Familie Keese vom Hagenbrink, die später in Hemmendorf wohnten. Somit bestand auch immer Kontakt zu Hemmendorf.


Mein Vater Heinrich Münter * 1901 stammte aus der Schäferei Münter in Klein Oldendorf, heute Kräuterwiese. Er und seine Geschwister lebten in sehr ärmlichen Verhältnissen, denn mit der kleinen Schafherde und den paar Morgen Land konnte man die Familie gerade so ernähren.

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 Meine Großmutter mit Familie 1914                                                                                                         Heiner Münter (ich) mit ca.. 8 Jahren

Sie schliefen auf Strohsäcken und als Lichtquellen dienten Petrolium Lampen. Elektrische Anbindung gab es erst später von der Mühle Sander. Meine Oma habe ich nur in Erinnerung mit einem schwarz gestrickten Kleid, das sie im Sommer und Winter trug.

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Das Bild von der Schäferei Münter entstand 2015. Der vordere Anbau wurde von meinem Cousin Friedhelm Münter *1936, nachden er  geheiratet hat gemacht, da alles viel zu eng war in dem Haus.

Mein Vater war sehr musikalisch und spielte oft auf seinem Akkordion. In den 1930er Jahren wollte Hitler die Menschen bei guter Laune halten und somit wurden überall „Spielscharen“ gegründet. So auch in Oldendorf. Regelmäßig wurden Theaterstücke eingeübt und vorgeführt.

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Wir wohnten im Haus von Hattendorf, ehemals Bartels, das 1957 von der Familie Rudolf Tornow gekauft wurde und damals nicht gerade konfortabel. war. Als die Flüchtlinge 1945 kamen wurde es sehr eng im Haus, denn es kamen weitere Familien dazu. So auch Emil Flegel aus Schlesien. Frau Flegel hatte einen Stopfpilz mit dem Spruch: 'Der Lehner Pilz heilt jedes Weh am großen und am kleinen Zeh.'
Das Motto meiner Eltern war: Bloß keine Schulden machen. Wie damals so üblich hatten die Mieter oft einen kleinen Stall, in dem sie ein Schwein und Hühner halten konnten. Die Miste war mitten auf dem Hof und Fliegen gab es zu Hauf die im Sommer herumschwirrten.
An meine Schulzeit kann ich mich noch recht gut erinnern. Besonders an die Schläge, die die Lehrer verteilten. Ich sollte mal Schläge bekommen, da sprang ich  durch das offene Fenster und lief zu meiner Mutter. Als ich ihr erzählte warum ich so plötzlich vor ihr stand sagte sie mir: „Geh zurück in die Schule und sage dem Lehrer Schenkendorf, wenn dich einer schlägt, dann bin ich das!“ - Ich habe nie von meiner Mutter Schläge erhalten. - Ich bin zurück und habe ausgerichtet was meine Mutter gesagt hatte. Herr Schenkendorf schaute mich verdutzt an und sagte nur: “Setzen“. Herr Schenkendorf wohnte in Osterwald und kam, ob Sommer oder Winter, immer mit dem Fahrrad zur Schule in Oldendorf. Ich sehe ihn noch heute vor mir mit seinem Kleppermantel und grauen Anzug, den er ständig trug.

Wir mußten damals Heilkräuter sammeln und diese wurden auf dem Schulboden gelagert und hatten da eine Masche mit der wir dann statt in der Klasse, Zeit auf dem Boden verbringen konnten. „Herr Scheckendorf die Heilkräuter sind schon wieder alle durcheinander“. Somit bekamen wir den Auftrag die Heilkräuter zu ordnen und machten es uns auf dem Boden erst einmal gemütlich. Hermann Mund, Sohn von Schlachter Mund, hatte immer reichlich Taschengeld und holte vom Geschäft Schrader nebenan Süßigkeiten, die wir dann genüsslich auf dem Boden verzehrten. Hermann Mund und ich wurden zusammen an einem Tag mit dem gleichen Taufwasser getauft. Das galt für meine Mutter immer als etwas Besonderes, denn die Geschäftsfamilie war sehr angesehen in Oldendorf. - Dazu fällt mir gerade noch etwas ein: Hermann Mund wurde 1 Jahr früher aus der Schule entlassen, da er in der Schlachterei gebraucht wurde und durfte auch schon mit 16 Jahren den Führerschein machen. - Er hatte noch zwei Brüder. Horst war geistig etwas behindert, aber überall dabei und somit auch im Schlachthaus. Albert hatte schon sehr früh ein Motorrad. Er lieferte damit ebenfalls manchmal Ware aus, machte Spritztouren und nahm gerne einen von seinen Freunden mit. Er und Ernst Friedrich Kellermann verunglückten 1954 auf der B3 bei Banteln tödlich mit dem Motorrad. Albert fuhr damals eine 250er BMW.

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                                                                        Lagerfeuer unterm Kanstein
Auf dem Bild: Wolfgang Hein, Albert Mund, hinten Fritz Weinbach, Hans Wotzny, Günter Kreye, Hermann Mund, Heinrich Münter, Klaus Urbanke

Die sehr nette Lehrerin Röhr, wollte uns die englische Sprache näher bringen, worauf wir natürlich gar keine Lust hatten. Statt dessen gingen wir lieber zur 'Freischütte' um dort im Wasser zu spielen, hinterher ging es dann barfuß zu Mund und wir entlockten dem Klavier mit den Füßen interessante Töne. Wir Kinder hatten damals alle nur ein Paar Schuhe und wenn diese in der kalten Jahreszeit beim Schuhmacher repariert wurden, dann mußte ich auch schon mal mit den Schuhen von meiner Mutter in die Schule gehen, was mir natürlich entsetzlich peinlich war. Es gab etliche Schumacher im Dorf. Einer von ihnen hatte in einer großen 'Holzbude' bei Wöhler an der B1 seine Werkstatt.

Hans Wotzny, Sohn vom Schrotthändler, wohnte auf dem Försterhof. Es war immer ein besonderes Erlebnis wenn ich mit in die Wohnung durfte, denn hier gab es ein altes Grammophon mit Kurbel welches Hänschen, wie wir ihn nannten, in Gang brachte und es ertönte der Schlager: "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien". Das fand ich einfach toll, noch heute habe ich die Musik im Ohr und singe sie vor mich hin.
Rübenschnaps wurde in der Kriegszeit überall schwarz gebrannt und geschlachtet nicht nur das offiziell erlaubte Schwein. So hatten auch wir zwei Schweine. Eines zum 'Schwarzschlachten'.
Onkel Fritz und Tante Erna aus Hemmendorf kamen nachts nach Oldendorf zum 'Schwarzschlachten'. – Den Überläufer (Schwein) steckte man in einen Sack und es sollte in der Waschküche bei Bartels, später Tornow, heimlich geschlachtet werden. Onkel Fritz schlug so unglücklich zu, das das Schwein ein Ohr verlor, es wurde dann im Sack abgestochen – das Schreien war nicht zu überhören – aber es bekamen dann alle etwas (Brühe und eine kleine Wurst) ab und somit hatte keiner etwas gehört.

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Auf dem Hof bei Tornow Bild oben von links: Meine Mutter Frieda Münter, Albert Hein, Heinrich Münter hinten, vorne meine Frau Gisela Münter, Elisabeth Tornow.

- Meine Frau Gisela und ich wohnten auch als jung verheiratetes Paar noch einige Zeit dort, ehe wir in Coppenbrügge bauten. -

Meine Tante Erna Münter, Schäferei in Klein Oldendorf, war begeisterte Fußballanhängerin des hiesigen Vereins. Ihre Begeisterung brachte sie bei den Spielen sehr ausdruckstark in Gesten und Worten rüber. Es kam aber auch vor, daß sie den Torwart bei Regenwetter im Tor 'beschirmte'. Wenn es ging reiste sie zu den auswärtigen Spielen mit und machte ordentlich Stimmung für die Oldendorfer Fußballspieler.

Viele Jahre spielte ich in der hiesigen Feuerwehrkapelle mit, in der eine tolle Kameradschaft herrschte und zu besonderen Anlässen immer „Ständchen“ gebracht wurden.


Bild unten Hochzeit Ingrid und Harald Badusche 1959 in Ahrenfeld: Dirigent Hugo Greinert (er war auch viele Jahre Standesbeamter in Oldendorf), links Günter Bartels, Heinrich Münter, Hugo Dase.

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Da fällt mir noch etwas ein:
Brigitte Brendel (verh. Deutschmann), eine ehemalige Mitschülerin, heiratete 1955 in Esbeck. Es war Ehrensache, dass wir mit sechs Mann von der Feuerwehr zum Polterabend fuhren. Vorweg aber die schwierige Frage: Was schenken wir?? - Wir entdeckten bei Evers im Schaufenster einen tollen Nachttopf mit eingraviertem Auge unter dem stand in goldenen Buchstaben: „Das Auge sieht den Himmel offen, es schwelgt das Herz in Seeligkeit“. Diesen fanden wir einfach genial. - Der Nachttopf wurde sofort gekauft, von uns in einen alten Kinderwagen gepackt und noch allerhand Sprüche daran befestigt. Hiermit zogen wir dann zum Polterabend nach Esbeck und hatten viel Spaß an diesem Abend. Ich habe vor einigen Jahren Brigitte nach dem Nachtopf gefragt und da existierte er noch immer.

Es ist einfach schön in alten Erinnerungen zu schwelgen und wenn ich mich hin und wieder mit meinen alten Freunden Fritz Weinbach (wohnt heute in Schweden) und Ulrich Piehl (Oldendorf) treffe, dann können wir stundenlang von „Früher“ erzählen. Erstaunlich wie viel uns dann wieder so einfällt. Es ist so viel, dass es auf jeden Fall eine Fortsetzung gibt.

Heiner Münter
Coppenbrügge im Januar 2021

 

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