Das alte Pfarrwitwenhaus und  heutiges Pfarrhaus

 Am 16.3.1634 kaufte die Gemeinde ein Haus und Hof an der Todtenstraße von dem Krüger Moritz Willig für 200 mfl* als Pfarrwitwenhaus, ferner wurde noch ein Haus an der Saale mit den dazugehörigen Zeunen für 90 mfl dazugegeben.

Joachim Geseniuns kauft am 8.10.1644 3 Morgen Land zum Pfarrwitwentum.

Der Pastor Henning Meier in Hemmendorf sagt am 8.10.1644 aus, daß die Länderey bey dem Witwenhaus zu Oldendorf vor vielen undenklichen Jahren quit un frey gebraucht wurde. Das hat er von seinem sehl. Vater Caspar Meier, gewesener Pastor zu Oldendorf gehört. Dies bezeugen auch Berend Obermann, Oldermann und Caspar Basse, Bauermeister.

Der Garten gehet an der Kortenstraße her, von Norden auf die Todtenstraße, im Süden auf Heinrich Buckendahls Hof. Denselben hat Johann Kehr, Pastor zu Oldendorf, von Joachim Gesenius Erben für 100 mfl gekaufet und bey das Witwenhaus verehret.

Das Konsistonum bestätigt am 22.3.1645, daß zum nunmehr wieder angekaufte Witwenhaus itzliche gewiße Landerey so von Altersher alle stets dabey gewesen nemlich im hohen Felde pp (insgesamt 9 Morgen). In dem Schreiben wird auch erwähnt, daß der Pfarrer zu Oldendorf und Benstorf Ehr Joachim Gesenius vielfeltiger schwerer Kriegspresuren, Aufplünderung und der gleichen tranksahlen ausstehen müssen, daß zum ofteren sein sawer erworbenes Bißlein Brodt ihm undt den Seinigen vorm Munde wegkgerißen undt aufgezehret worden.

Des Pastors Kehr hinterlassenen Witwe war die erste, welche das Pfarrwitwentum genossen und das Witwenhaus bewohnt hatte. (Pastor Kehr, Johann 1651-1669, gest. im Nov. 1669)

Im Jahre 1865 ist das Witwenhaus auf Abbruch verkauft worden. Der Erlös ist dem Fond des Pfarrwitwentums überwiesen worden.

Der Pfarrwitwe standen zu:

9 Morgen Pfarrland,

1 Morgen 19 ½ Ruthen Wiesengrundstück, welche während der Witwen Vacanz von der Kirche benutzt wurde,

3 Morgen 117 37/100 Ruthen Gärten, Wiesen und Ländereien,

9 Fuder Brennholz (6 Fuder im Aßmund, 3 Fuder im Osterwald),

die Zinsen von den vorhandenen Capitalien.

 Bauplan

Das heutige Pfarrhaus - Superintendentenhaus - wurde 1880 erbaut

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Es ist 17,05 Meter lang, 13,55 Meter breit und 6,85 Meter hoch

Die Baurechnung vom 29. Juli 1881 belief sich auf die Summe von 14.682,03 Mark

Es wurden mehrere Kostenaufstellungen eingeholt. Sie beliefen sich auf die Summen von 24.000 Mark bis 13.500 Mark.

Das niedrigste Angebot (13.500 Mark) reichte die Firma Grieße aus Oldendorf ein und bekam auch den Zuschlag für den Bau mit Stallgebäude.

Aus einer anderen Kostenaufstellung vom Zimmermeister H. Woltemathe aus Lauenstein vom 16. August 1879 gehen u.a. nachfolgende Zahlen hervor: Aufstellung über Maurer, Steinformer, Dachdecker, Zimmer, Tischler, Glaser, Schlosser und Maurerarbeiten sowie den dazu erforderlichen Materialien und Anlieferung zur Baustelle stehen unter anderem:

320 Zentner Kalk inkl. Löschen a. 1,00 Mark  =  320,00 Mark

68 cbm Sand mit Anfuhr a. 5,00 Mark = 340,00 Mark

22.000 Stück Steine zu den innwendigen Arbeiten m.Anfuhr a. 1000 Stck 30,00 Mark =  660,00 Mark

60.000 Stück gut gebrannte Backsteine a. 1000 Stck 36,00 Mark

6 Tonnen Hamelschen Zement a. 7,00 Mark

5.000 Stück Dachpfannen zur Bedachung mit Anfuhr a. 1000 Stck 50,00 Mark = 250,00 Mark

Maurerarbeiten mit Material = 10.413,70 Mark

Zimmerarbeiten mit Material = 2.660,06 Mark

Tischler mit Material =3.738.41 Mark

Schlosser mit Material = 865,30 Mark

Maler und Tapezierarbeiten = 735,00 Mark

Insgemein = 850,00 Mark

Baurechnung – Kostenaufstellung Pfarrhaus 1879 =  19.262,47 Mark

- Akte A 531  - Kirchenarchiv ===============

***Anmerkung: Im Jahre 1632 bestand bereits eine Schule (s.o.). Dieses geht aus der Designation der Kirchenländerei vom 13.11.1632 hervor, in welcher auch das Verzeichnis, 'was bei der Küsterei zu Oldendorf gehöret', aufgenommen worden ist. Auch weisen die Kirchenrechnungen des Jahres 1637 einen Beitrag von 16 Gr. aus, der für ein Fenster, 'so in die Schule gesetzt worden', ausgegeben worden ist. Das Schulgebäude ist auf Abbruch verkauft worden. Es ist nicht bekannt, wann der neue Bau der Schule (Haus Nr. 66) errichtet wurde. - aus Oldendorf und seine Höfe)

* Abkürzung mfl – siehe oben:

Der meißnische Gulden (auch Meißner Gulden und Gulden meißnisch), Abkürzung Mfl.,ist ein in Sachsen im Jahr 1490 auf 21 Groschen gesetzter rheinischer Goldgulden und von 1542 bis 1838 eine Rechnungsmünze (ein fiktiver Rechnungsgulden) im selben Wert.

Die Rechnungstaler zu 24 Groschen und die Rechnungsgulden (meißnische Gulden) zu 21 Groschen, also die fiktiven Rechnungeinheiten „Taler“ und „Gulden“ dürfen nicht mit den geprägten Speciestalern und den ⅔ Talern (Gulden) verwechselt werden. Der meißnische Gulden (die Einheit von 21 Groschen) wurde ab 1839 nach Einführung des 14-Taler-Fußes nicht mehr verwendet.

Der während der Geltungsdauer des Konventionsfußes in Sachsen (1763–1838) als Währungs- und Rechnungseinheit zählende Taler und der als Rechnungseinheit zählende Gulden (abgekürzt „fl.“) sowie die ausgeprägten Nominale sind nachfolgend zur Erklärung der Zusammenhänge meißnische Gulden wurde in dieser Zeit letztmals in Rechnungen verwendet.

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